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„Die Grenzen des Wachstums - Wo stehen wir heute?“

ÖDP-Bezirksvorsitzender aus Ingolstadt gibt einen Abriss über 40 Jahre

Traunstein. „In den nächsten 20 Jahren wird sich die Welt radikaler verändern als in den vergangenen 100 Jahren.“ Mit diesem aktuellen Zitat von Dennis Meadows, dem Autor der Studie „Die Grenzen des Wachstums“ ,1972 vom Club of Rome in Auftrag gegeben, ist kurz und bündig zusammengefasst, worauf wir, die Menschheit, uns in den folgenden Jahren einzustellen haben: gravierende Änderungen im Klimabereich, die Erschöpfung der Ressourcen, weiteres Bevölkerungswachstum , finanzielles Chaos in der Weltwirtschaft.

Der Kreisvorsitzende der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) , Bruno Siglreitmaier, freute sich, den Besuchern im Sailer Keller mit Franz Hofmaier, ÖDP-Kreis- und Stadtrat in Ingolstadt, einen kompetenten Referenten vorstellen zu dürfen.

Der Club of Rome gründete sich im Jahr 1968, so Hofmaier, in der Absicht, drängende Menschheitsprobleme global zu erfassen und Handlungsempfehlungen für eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft der Menschheit zu generieren. Alle als realistisch angenommenen Szenarien seien zu dem Ergebnis gekommen, dass irgendwann im 21. Jahrhundert dem physischen Wachstum ein Ende gesetzt würde. „Weitere Studien folgten und in den Umweltkonferenzen von Rio und Johannnesburg in den Jahren 1992 und 2002 wurde nachdrücklicher auf die anstehenden Probleme hingewiesen und der Politik auch Handlungsempfehlungen für eine verantwortungsvolle globale Politik an die Hand gegeben“, resümierte Hofmaier. „Leider stehen wir heute nicht da, wo wir stehen könnten, wenn sich die Verantwortlichen daran gehalten hätten, mehr Kapital in eine nachhaltige Produktion, den Aufbau alternativer Energien und die Begrenzung des Bevölkerungswachstums zu stecken!“.

So sei es schon zu spät, um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Das bedeute, dass Ballungszentren in Küstenregionen in einigen Jahrzehnten unweigerlich von Überschwemmung bedroht seien. Die Rohstoffvorräte gingen langsam, aber sicher zu Ende und es koste immer mehr, noch in der Arktis oder im Schiefer verborgene Ölvorräte zu plündern, abgesehen von den dadurch drohenden Schäden für die Umwelt. Ähnlich verhalte es sich mit anderen wichtigen Ressourcen wie z.B. „Seltene Erden“, die für die Produktion elektronischer Teile notwendig seien. „Wenn man in die Überlegungen einbezieht, dass die Länder des Südens den gleichen Weg wie wir im Konsumverhalten einschlagen- was wir ihnen bestimmt nicht vorwerfen können -, und das bei weiterem Bevölkerungswachstum, kann man sich ausrechnen, welche Belastungen allein durch den Landverbrauch auf die Erde zukommen!“

Welche Möglichkeiten haben wir heute noch, die Situation in den Griff zu bekommen? „Man wird nicht daran vorbeikommen, das Bildungssystem anzupassen: schon in der Schule muss vermittelt werden, welche Folgen das Handeln des einzelnen für das Klima, die Umwelt, die Natur und die Erde hat. Und vor allem müssen die Wirtschaftswissenschaften die Endlichkeit der Ressourcen akzeptieren und ihre Doktrin vom ewigen Wachstum aufgeben!“ forderte der ÖDP-Politiker am Ende seines engagierten Vortrages. Anstelle von Wachstum müssten Begriffe wie Nachhaltigkeit, Subsistenz, Effizienz, Energieeinsparung und regionale Ökonomie die Lehrpläne beherrschen. „Möglicherweise liegt die Lösung der Zukunftsfragen in den Schlagworten Postwachstumsökonomie und Entschleunigung. Will heißen: es fände zukünftig wieder mehr Selbstversorgung statt, auch der Tauschhandel wäre von größerer Bedeutung. Eine Absenkung des Geschwindigkeitsniveaus für den physischen Transport käme allen zugute, den Menschen, die unter dem hohen Arbeitstempo leiden und dadurch krank werden, als auch der Umwelt!“

In der folgenden Diskussion wurde von ÖDP-Kreisrat Helmut Kauer darauf hingewiesen, dass die ÖDP seit Jahren wachstumskritische Aufklärung betreibe. Wie recht sie mit ihren Warnungen hatte, darauf wies Hermann Hofstetter hin, und zitierte den Autor der neuesten Studie des Club of Rome vom April 2012, Jorgen Randers: dass wir jedes Jahr zweimal so viele Treibhausgase ausstoßen als Wälder und Meere absorbieren können. Deshalb sollte man z.B. auf Flüge generell verzichten, da sie die Umwelt um ein mehrfaches belasten als die übrigen Transportmittel. Ein Flug von Frankfurt nach New York verbrauche so viel Sprit wie das Auto im ganzen Jahr.

Anton Sturm bedauerte, dass den meisten Politikern wichtiger sei, eine Wahl zu gewinnen als den Menschen die Wahrheit zu sagen, nämlich dass ein Umdenken im Konsumverhalten, in der Lebensführung generell nötig sei. Leider sei vielen Menschen der eigene finanzielle Vorteil viel wichtiger als der globale Umweltgedanke, den die ÖDP seit ihrem Bestehen den Menschen zu vermitteln versuche.

Mit dem Bau von Windkraftanlagen in Bürgerhand sei ein Anfang gemacht, die Wertschöpfung in der Region zu behalten, meinte Georg Huber aus Waging. Allerdings müssten regionale Stromnetze ausgebaut und die Energieversorgung weiter dezentralisiert werden.

Bruno Siglreitmaier schloss die aufschlussreiche Veranstaltung mit den Worten: „Als ÖDP müssen wir noch mehr Mut haben, die Bevölkerung zu einer bescheideneren Lebensführung aufzufordern! Den Menschen aufzeigen, dass weniger mehr bedeuten kann, was die Lebensqualität betrifft. Voraussetzung für unsere Glaubwürdigkeit ist Ehrlichkeit und Authentizität im persönlichen Bereich!“

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